Das seltsame Demokratieverständnis des CSU-Kandidaten Dr. Florian Herrmann (Freising)

Am Anfang war …

… ein Newsletter!

"Anti-Tabak-Hardliner" und "Trotzdem-Zigarrenraucher" Dr. Florian Herrmann, CSU-Direktkandidat für den Stimmkreis Freising ist dem Genuss feiner Zigarren offensichtlich nicht abgeneigt. Sonst würde sich sein Interesse am Newsletter des Zigarrenspezialisten Tabak Sommer in München sicherlich in Grenzen halten. So war Herr Dr. Herrmann bis vor Kurzem aber sogar Abonnent des besagten Newsletters. Ja, war – bis alles ganz anders kam…

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Es begann mit folgendem Auszug aus dem Tabak Sommer-Newsletter:

Rauchen auf der Wies’n:

Der Genuss guter Cigarren gehört selbstverständlich zur Tradition des Münchner Oktoberfestes. Auch wenn die Politik das gerne vergisst. Was passiert, wenn man ausgerechnet in den Bierzelten unserer Wies’n ein Rauchverbot ausspricht, möchte unsere Regierung jedoch nicht gerade während der Landtagswahl ausprobieren. Wir bleiben also vorerst verschont.

So sieht die Lage also 2008 aus: Rauchen ist ERLAUBT, der Verkauf von Tabak wird in den Zelten jedoch eingestellt. Es wird im Zelt weder Stände noch Bauchläden geben!

[…]

Wie es 2009 weiter gehen wird, hängt entscheidend von der bevorstehenden Landtagswahl ab. Während CSU, SPD, Linke und Grüne das totale Rauchverbot sowie das Verbot der Raucherclubs durchsetzen wollen, setzen sich FDP und Freie Wähler für die etwas liberalere Lösung der restlichen Bundesländer ein.

Apropos Landtagswahl: Wie Ihr Politiker über Ihre Cigarren-Leidenschaft denkt, können Sie hier nachlesen: Auf www.zigarrenplattform.de wurden sämtliche Kandidaten befragt.

Das Ergebnis ist wirklich interessant!“

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Nachdem er diese Zeilen gelesen hatte, muss in Herrn Dr. Herrmann ein heftiger innerer Gewissenskonflikt entbrannt sein: Drang nach persönlicher Freiheit versus Treue zur Parteilinie. Ein derart schwerer Abwägungsprozess, dass dabei offenbar auch das Demokratieverständnis des CSU-Kandidaten in Mitleidenschaft geriet…

Auf jeden Fall verlangte Dr. Herrmann auf einmal umgehend aus dem Newsletter-Verteiler des Zigarrenspezialisten gestrichen zu werden. Seine Entrüstung begründete er wie folgt:

Er könne die „billige Wahlkampfpolemik“, die in den Räumlichkeiten des Fachhandels – auch mit der Hilfe von Unterschriftenlisten – betrieben werde nicht akzeptieren. Zudem habe das Bundesverfassungsgericht doch bereits gezeigt, wie weit es mit den angeblich liberaleren Regelungen anderer Bundesländer her sei.

Es sei ihm einfach unverständlich, weshalb bei diesem Thema mit so viel Sturheit die Schädlichkeit des Passivrauchens negiert werde.

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Scheinbar fühlte sich Herr Dr. Herrmann von den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes, die sich bemühen ihre Interessen mit den ihnen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln zu verteidigen, auf den Schlips getreten.

Dabei müssen wir offensichtlich noch viel lauter werden, um uns in Politik und Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen: Denn entweder unsere sogenannten Volksvertreter bzw. die, die gerne solche wären, haben den Wählerinnen und Wählern noch nicht ausreichend zugehört ─ oder sie haben noch nicht verstanden worum es geht.

In diesem Fall hatte sich Herr Dr. Herrmann aber augenscheinlich einfach noch nicht auseichend mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts befasst, geschweige denn mit der DKFZ-Studie, die keine Studie ist.

Daher hat es sich Herr Sommer auch nicht nehmen lassen, Herrn Dr. Herrmann die horrenden Folgen seiner ignoranten Verbotspolitik, die nicht nur die Bevölkerung spaltet, sondern der Gastronomie auch enorme Umsatzeinbußen beschert und einige Tausend Arbeitsplätze in Handel, Gastgewerbe und Industrie gefährdet, zu verdeutlichen.

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Sehr geehrter Herr Herrmann,

zunächst haben sich meine Arbeitsgruppe und ich natürlich über Ihre Antwort amüsiert. Wir Zigarrenhändler und die Industrie (Bei dieser Industrie handelt es sich überwiegend um Mittelständler und Familienbetriebe) stehen jetzt nämlich vor dem Ruin. Da gibt es nicht mehr viel zu lachen. Sie werden es uns nachsehen, wenn es uns dann erheitert, dass ein CSU Landtagskandidat kalte Füße bekommt, weil ein paar Kleinunternehmer eine Aufklärungskampagne gegen seine Politik starten. Das werten wir als ersten Teilerfolg.

Die Tatsache, dass Sie glauben uns damit strafen zu können, wenn Sie nicht mehr bei uns Zigarren kaufen, zeigt mir, dass Sie den Tabak offensichtlich nicht generell verteufeln, sonst würden sie ihn nicht kaufen, sondern dass Sie einfach keine Ahnung haben, was hier in Wirklichkeit ab geht.

Wenn wir uns jetzt nicht wehren, werden Sie Ihre Zigarren schon bald nirgends mehr kaufen können. Wir sitzen hier auf unseren Kosten und warten auf ein Wunder. Und Sie wollen jemandem drohen, der nichts mehr zu verlieren hat?

Ich fürchte, Sie haben sich in das Thema noch nicht so richtig eingearbeitet. Ich schon. Denn wenn ich und meine Mitarbeiter hier geopfert werden sollen, dann will man schließlich schon genau wissen wofür.

Der Nutzen für die Volksgesundheit ist nämlich relativ gering, wenn man das Rauchen in Kneipen verbietet. Das Gutachten des DKFZ (die Rauchverbote liegen diesem Gutachten zugrunde) ist eine dieser typischen Auftragsarbeiten. Nicht „finde heraus ob Passivrauch schädlich ist“ lautete der Auftrag, sondern „Belege anhand einer Studie, dass Passivrauch lebensgefährlich ist, egal wie“. Was dabei herausgekommen ist, kann eigentlich jeder nachlesen. Man hat anhand zugekaufter Zahlen aus anderen Ländern hochgerechnet, dass 3300 Menschen jährlich an Passivrauch sterben. Diese Menschen haben sich den Tod aber nicht in der Kneipe geholt, sondern haben ihr ganzes Leben mit einem Raucher zusammen verbracht. So wie das Millionen tun. Noch dazu sind diese Menschen zwar an den Folgen des Rauchens gestorben, jedoch mehrheitlich in einem Alter, das so mancher Nicht-Passivraucher gar nicht erreicht. Und es sind auch ehemalige Raucher in die Statistik mit eingerechnet, sofern sie zum Zeitpunkt ihres Todes schon damit aufgehört hatten. Das steht alles ganz klar in genau diesem Gutachten. Wenn man es liest.

Zudem lohnt es sich, die Zahlen des DKFZ einmal ins Verhältnis zu den restlichen Sterbefällen zu setzen. Ich habe diese Zahlen mal im Internet recherchiert und komme bei den Passivrauchern auf 0,6% der Lungenkrebsfälle und ca. 0,3% der Toten durch Herz und Gefäßkrankheiten. Das sind meine Zahlen. Das DKFZ hat sie nämlich nicht ins Verhältnis gesetzt. 3300 klingt erschreckender als ein Promillewert.

Dafür werden wir jetzt geopfert. Tabakhändler, die hochwertige Produkte verkaufen (die in der Gesundheitsdiskussion eigentlich nie zur Debatte standen) und kleine Wirte, die vom Getränkeumsatz leben müssen. Wir sind tausende allein in Bayern! Zigaretten laufen übrigens nach wie vor prima! Bitte zu welchen Opfern wird unsere Regierung bereit sein, wenn es darum geht, die restlichen rund 99,5% vor dem vorzeitigen Tod zu bewahren? Um hier gerecht zu sein, kann man nur noch alles verbieten, was irgendwie Spaß macht ohne lebensnotwendig zu sein. Viele Menschen haben das erkannt.

Ich stelle fest, dass zahlreiche Wirtschaftszweige von diesem Rauchverbot profitieren.

Die Systemgastronomie mit dem ganzen Fastfood und die Hotels zum Beispiel. Diese werden es wohl auch gewesen sein, die Gallus souffliert haben, dass es viel gerechter sei, wenn in der gesamten Gastronomie nicht mehr geraucht werden dürfe. Hotels haben nämlich Möglichkeiten nach dem Beherbergungsgesetz. Soviel zum Thema „Gerechtigkeit“. Beim Fastfood ist das Essen derart minderwertig, dass sich allein daran verdienen lässt. Der Getränkeumsatz nach dem Essen ist nicht nötig. Hier zählt ein schneller Umschlag und große Flächendeckung mit billigem, ungesundem Zeug. Soviel zum Thema Gesundheitsschutz.

Dann wäre da die Zigarettenindustrie. Der Marktführer hat sich nämlich entschlossen, reumütig seine Schuld einzusehen. Und um das zu unterstreichen hat er vor zwei Jahren ein Papier mit Vorschlägen zur Tabakbekämpfung in Umlauf gebracht. Vorschläge, die bei einer Durchführung garantiert keiner seiner Mitbewerber überleben würde. Dabei sind es genau diese Mitbewerber, die bei Ihren Zigaretten wieder verstärkt auf die schädlichen Zusatzstoffe verzichten, während der Marktführer seelenruhig weiter panscht. Und die Politik hilft dabei. Daher weht der Wind.

Und zuletzt ist anzunehmen, dass die Pharma Industrie deshalb soviel in die Antiraucher Bewegung investiert, weil Menschen erst mit höherem Alter richtig Medikamente konsumieren. Aber dabei geht es natürlich um aktive Zigarettenraucher. Die sterben ja tatsächlich früher und nach kurzer Krankheit. Also muss man ihnen das verbieten. Es ist nicht verwerflich, sich um die Volksgesundheit zu bemühen. Aber aus Nächstenliebe machen die das nicht. Das merkt man an deren Methoden. Außerdem sind Nikotinpflaster wohl auch ein ganz gutes Geschäft. Und dafür hätten sie gerne eine Steuerbefreiung, während die Steuern für Tabak bitte weiter erhöht werden sollen.

Rauchen wird immer gefährlich sein. Und Passivrauchen ist mit Sicherheit auch ungesund. Vor allem stören sich inzwischen die Leute daran. Besonders natürlich, weil über Jahre nur noch Hetzkampagnen durch die Medien gehen. Die Gefahr durch Passivrauch ist nicht so erheblich, dass solche Maßnahmen gerechtfertigt wären. Und man muss auch nicht jeden Schmarrn mitmachen, um unseren Freunden in Brüssel zu gefallen.

Wir haben immer die CSU gewählt, weil wir geglaubt haben, sie würde solch einen Wahnsinn in unserem schönen Bayern nicht zulassen. Hätten wir rote Politik gewollt, so hätten wir auch rot gewählt. Und jetzt werden wir in aller Dankbarkeit von der CSU abgeschlachtet und dürfen uns dafür auch noch vorhalten lassen, polemisch zu sein.

Ich hoffe, Sie nehmen das als Gedankenanstoß an. Wenn Sie noch Fragen haben, können Sie mich jederzeit gerne erreichen. Vor mir braucht man keine Angst zu haben. Das DKFZ Gutachten habe ich Ihnen angehängt. Lesen Sie es, dann werden Sie schon sehen.

Ich habe Ihre Email natürlich gleich über den Lösch-Link aus der Datenbank entfernt. Sollte sie bei der Umstellung auf das neue Mailsystem in kürze wieder in der Datei auftauchen, so können Sie sich selbstverständlich auch bei der nächsten Mail austragen.

Im Anhang die PDF-Datei Passivrauchen, das Gutachten des DKFZ.

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Die Reaktion von Herrn Dr. Florian Herrmann, LLM steht leider noch aus…


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Kommentare (6)Add Comment
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geschrieben von Dieter VS, 18 September 2008
Ein CSU-Politiker wirft uns "billige Wahlkampfpolemik" vor? Das darf ja wohl nicht wahr sein. WENN irgendjemand zur Zeit polemisch, populistisch und plakativ auftritt - dann die CSU und niemand anderes!
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geschrieben von Nordfriese-in-München, 18 September 2008
Anstatt gegen Zigarrenindustrie und -handel zu wettern sollte sich Herr Dr. Herrmann besser mal seinen Chef Beckstein zur Brust nehmen! 2 Maß Bier und dann noch Autofahren - da ist Rauchen nicht nur gesünder, sondern auch sozialverträglicher!!
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Alles klar,
geschrieben von Nick, 18 September 2008
Wir betreiben billige Wahlkampfpolemik, aber die CSU doch nicht...

"Im Zuge des Wahlkampfs für die Kommunalwahlen im März hat die Münchner CSU die Debatte zugespitzt. Sie hat in der ganzen Stadt Plakate angebracht, welche die Bilder des Übergriffs aus der Überwachungskamera zeigen. Schemenhaft tritt der Gewalttäter auf eine Opfer-Silhouette ein. "Damit Sie nicht der Nächste sind", lautet der affichierte Text."

(Quelle: http://diepresse.com/home/poli...3/index.do )


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wie verlogen und doppelmoralistisch!!!
geschrieben von Oliver H. aus München, 18 September 2008
Es ist doch ungeheuerlich, was der CSU-Kandidat Herr Dr. Herrmann aus Freising dem Zigarrenhandel bzw Zigarrenproduzenten vorwirft, wenn man bedenkt, dass dieser Politiker wohl selber gerne hin und wieder mal eine Zigarre genießen tut. Wie verlogen und doppelmoralistisch ist das denn.

Das erinnert doch stark an der in den USA oft anzutreffenden Doppelmoral in Sachen Sex und Drogen.
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Die Zigarren-Cowboys reiten immer Oberschenkel an Oberschenkel....
geschrieben von Ricci IS BEGAISTÄRT, 29 September 2008
...nie in Gänsereihe!

Die letzten Zigarren- Cowboys
von Hans Bewersdorff, Gastautor der Rauchzeichen in der WamS
27.09.2008 - 15.44 Uhr

Die Zigarrenbranche ist wie früher der Wilde Westen. Es gibt reichlich Stallburschen, ein paar Banditen und eine Handvoll Cowboys, die täglich im Sattel sitzen und die bösen Buben von der Ranch jagen. So war es immer, aber das reicht nicht mehr. Seit vor ein paar Jahren eine Beamtenbande am Horizont auftauchte, die die Zigarrenfreiheit abschaffen und die Cowboys in den Ruhestand schicken will, ist Schluss mit lustig.
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Hochmut kommt vor dem Fall !
geschrieben von Ricci, 29 September 2008
Ein menschliches Verhalten wie bei Herrn Dr. Florian Herrmann, noch dazu in politischer Stellung, sowie zu unseren Zeiten breit sortiertem Politikermasse dargeboten, bietet bei Wahlen die Chance einer tektonischen Verschiebung der politischen Landschaft.

Hochmut kommt vor dem Fall!
.
Die 17% die FDP und Freie Wähler erhielten, gehörten mal der
CSU.
Was für eine Schmach, nur weil dem Volk nicht auf Den Mund und nicht ins Herz gesehen wird, verlieren die Herren Huber und Beckstein die absolute Mehrheit. Zusätzlich dürfen sie zur Belohnung auch noch einen
Koalitionspartner auswählen. Bingo, Bingo!Oazapft is!!!
Als Einzelhändler kann ich nur feststellen, die standen und stehen nicht nah genug an ihrer Kundschaft,äh, Wählerschaft, äh besser noch:
sehr weit entfernt von freier Wählerschaft!
Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend.
Nur die Lichter werden dunkler zumindest für die Großkopferten in der
“Christlich Sozialen Union”.
Herr Beckstein beginn schon in der Haltung wieder christlicher zu werden.
Er schaut bei einigen Fotos demütig auf den Boden.
Selbsterkenntnis ist die erste Tür zur Erkenntnis.
Sowie das Leid das schnellste Pferde zur Offenbarung des eigenen Fehlers ist.
Ich denke dabei an meine eigenen Dappischkeiten, gelle.
Deswegen bin ich auch Kioskiero und kein Landesvater:-)

Außerdem, konnten wir erfahren, viele scheinen nur zu scheinen,
aber leuchten nicht….

Gruß aus Ricciland
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